[Artikel aus den “NÜRNBERGER NACHRICHTEN”, 10.11.2003]
Dem gepflegten Grün der Clubs werden Baustellen, Sandgruben oder Schienen vorgezogen
Immer mehr Menschen begeistern sich für die neue Trendsportart Crossgolf. Doch was ist Crossgolf? In den Parks und Grünanlagen der Stadt kann man immer öfter junge Leute beim Golfspielen beobachten. Was machen diese Menschen? Haben sie kein Geld für einen Golfverein oder nicht die dafür notwendige Platzreife und müssen noch üben? Nein. Es sind ganz normale Leute, die ihrem Hobby nachgehen: Crossgolf.
Crossgolf kann man als Verjüngung des Golfsports bezeichnen. Der Hauptunterschied zum Golf besteht darin, dass diese andere Art des Golfvergnügens nicht auf dem gepflegten Grün der Vereine stattfindet, sondern mitten im Gelände — zum Beispiel auf Wiesen, Baustellen, Sandgruben oder heruntergekommenen Industrieanlagen. Da es außerdem im Gegensatz zum „normalen“ Golf keine Regeln gibt, sondern sich jeder seine Regeln selber macht, wird Crossgolf auch Freestylegolf oder Freegolf genannt. Weitere Namen sind unter anderem Streetgolf, Extremegolf und X-Golf.
Anfänge des Crossgolf
Die ersten Crossgolfer waren eigentlich die Schotten, die schon seit 1457 Golf spielen, und dies nicht gleich mit Golfwägelchen und Caddie auf gepflegten Clubanlagen gemacht haben. Die Anfänge des Golfs ähneln also viel mehr dem Crossgolf als dem heutigen „normalen“ Golf.
Die ersten Crossgolfer in Deutschland gab es dann seit Mitte der 90er Jahre. Parallel zu dem Golf-Boom in Deutschland fanden sich immer mehr Menschen, die zwar den zweifellos sehr viel Spaß bringenden Sport Golf ausüben, dafür aber nicht viel Geld zahlen wollten. Da gerade in Deutschland die Golfvereine sich durch hohe Gebühren und Auflagen gegen einen zu großen Mitgliederzuwachs wehrten, fand und findet hier Crossgolf eine große Anhängerschaft.
Ist Crossgolf also Golf für Arme? Natürlich spielt der Faktor Geld eine Rolle. Es ist nun mal viel billiger, das Golfspielen auf irgendeiner Wiese auszuprobieren als in einem Golfverein. Doch wer erst mal Crossgolf gespielt hat, will oft gar nicht mehr zum Golfen in einen Klub gehen. Die Atmosphäre, die bei einer geselligen Runde Crossgolf herrscht, entspricht der einer großen Party und ist mit dem traditionellen Golf nicht zu vergleichen.
Ohne Etikette
Gerade Jugendliche können und wollen es sich nicht leisten, Golf im Verein zu spielen. Durch Verhaltensregeln und dem Zwang, durch passende Kleidung die Etikette zu wahren, fühlen sich gerade jüngere Menschen auf einem Golfplatz unwohl. Warum soll man sich außerdem erst monatelang einen Trainer nehmen und seitenweise Regeln auswendig lernen, nur um die Platzreife zu erlangen. Bei Crossgolf ist die Platzreife inklusive.
Die Ausrüstung ist obendrein günstiger: Zum Crossgolfen benötigt man nur einen bis zu vier Schlägern und ein paar Bälle. Da man — im Gegensatz zum normalen Golf — keinen Satz mit zwölf Schlägern braucht und die Ansprüche an die Schlägergenauigkeit auf Grund der unterschiedlichen Verhältnisse nicht hoch sind, muss man für seine Crossgolf-Ausrüstung nicht viel Geld ausgeben. Da das Material auch ab und zu ein paar Kratzer bekommen kann, macht es überhaupt keinen Sinn, bis zu 500 Euro für einen Golfschläger auszugeben.
Am billigsten kommt man an Schläger, wenn man Bekannte hat, die Golf spielen und alte Schläger zu verschenken haben. Sonst gibt es aber auch im Internet unter www.holzundeisen.de sogar schon einen auf die Bedürfnisse von Crossgolfern spezialisierten Laden, wo es günstige Schläger und Zubehör gibt.

Mit der passenden Ausrüstung und ein paar gleichgesinnten Freunden kann es dann schon losgehen. Auf der Suche nach dem passenden Ort zum Crossgolfen sollte man jedoch darauf achten, dass dieser möglichst menschenleer ist, weil so ein Golfball sehr schnell werden kann und doch ziemlich weh tut, wenn man von ihm getroffen wird.
Grundsätzlich sind einem bei der Wahl des Platzes eigentlich keine Grenzen gesetzt, und jeder wird den für sich schönsten Ort zum Crossgolfen finden.
Loch selbst graben
Die Spielweise macht man am besten mit seinen Mitspielern individuell aus. Zum Beispiel kann man einfach nur Abschläge machen, frei nach dem Motto: „Je weiter, desto besser.“ Wenn man auf ein Loch oder Ziel spielen will, kann man sich das Loch graben oder ausmachen, auf welchen Gegenstand gezielt werden soll. Das Ziel ist dann entweder zu treffen, oder es reicht, in einem bestimmten Umkreis zum Ziel zu kommen.
Der Fantasie und Kreativität sind bei der Gestaltung des persönlichen Crossgolfspiels keine Grenzen gesetzt. Und sobald der erste spektakulär geschlagene Ball durch die Lüfte fliegt, mag man gar nicht mehr aufhören.
CAROLINE GERTHOFFERT
Schule Erlangen